
Geschichte
- 1512 Erste Erwähnung eines Hans Schmid mit Schmiedewerkstatt in Pöcking
- 1829 Übernahme durch Kajetan Koch; bis heute durchgehend in Familienbesitz (Koch, Engesser, Schmid)
- 1868 Auswanderung des Schmieds Josef Koch nach Amerika,
Übernahme der Schmiede durch Bruder Jakob Koch (Bürgermeister von 1878 bis 1906) - 1881 Neubau der Schmiede
Der Amboss der Schmiede stammt aus der Mitte des 19. Jhd. und wird heute noch verwendet!
Zwischenschläge auf dem Amboss – Aus dem Leben eines Schmieds
Die Schmiede von Pöcking ist heute das älteste Unternehmen im weiten Umkreis. Schon 1512 wird auf dem Hof ein Schmied erwähnt. In der Conscription 1671 heißt es:
„1 Khüe, 4 Schaf, 4 Lember, 3 Frischling (Ferkel), ernährt sich mit einem Schmidthandwerch.“
Georg Engesser senior (1911 – 1994) war der letzte Hufschmied im Dorf. Gelernt hatte er sein Handwerk noch in der elterlichen Werkstatt. Zur Meisterschule musste er mit 29 Jahren nach München, zum Schmiedeunternehmen Hirschbold. Sechs Monate war er dort mit einem Dutzend anderer junger Burschen aus dem Oberland zusammen. Hier lernten sie noch, wie man Breitstangeneisen (bei verletzten Hufen) und Doppeleisen für Ochsen schmiedet oder wie man richtig „lavoriert“: drei Zwischenschläge auf den Amboss zur Konzentration, dann gezielte Schläge auf das glühende Eisen. Dieser Rhythmus war früher in allen Dörfern zu hören. Der helle Eisenton des Amboss, dann zwei, drei dumpfe Schläge, jetzt wurde das weiche Eisen bearbeitet, dann wieder der trockene Ambosston, dreimal zur Konzentration.
14 Gesellen hatte der Großvater von Georg Engesser beschäftigt. Fast ebenso viele Köpfe zählte die Familie des Patriarchen. Der Betrieb seines Enkels Georg „Schorsch“ Engesser arbeitete weitaus bescheidener. In seiner Werkstatt waren nach 1949 ein Lehrbub, sein Schwager Walter Erhard und als Altgeselle der Onkel, Xaver Koch, angestellt, der auf dem Hof Wohnrecht hatte. Im Haus lebte auch noch die Tante Maria, eine Schwester von Xaver Koch. Schorsch senior hatte den Hof erst 1949 übernommen, nachdem er aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrt war.
1949 begann sich die Technisierung in der Landwirtschaft durchzusetzen. Viele Schmieden im Umland stellten auf Traktorenhandel um. Nicht der Schorsch. Er blieb, wer er war: Schmied, Spengler und Schlosser.
Sein Frau Sabina meinte: „Das Traktorengeschäft war ihm zu riskant; mit unseren Bauern im Dorf war nichts zu verdienen, deswegen handelte er nur bei Gelegenheit mit Dreschmaschinen, Mähwerken und Anhängern.“
Zur Schmiede gehörte immer auch eine kleine Landwirtschaft: 30 Tagwerk Grund, sieben Kühe, einige Jungrinder und zwei Ochsen. Das Arbeiten zwischen Amboss und Stall war mehr als mühselig. Einmal im Jahr musste zudem das Schilfstreu am Maisinger See gemäht werden. Zehn Tagwerk Grund am See, das Tagwerk um 25 Pfennig, hatte der Großvater Jakob Koch vor dem 1. Weltkrieg gekauft, damit sie Einstreu für den Stall hatten. Die Streu wurde in den 50er-Jahren noch mit Tragen aus den feuchten Wiesen eingebracht. Für Ochsengespanne und Wagen war der Boden zu morastig.
Seine Arbeit als Hufschmied gab Georg Engesser Anfang der 60er-Jahre auf. An die alte Zeit von Pferd und Ochs erinnern heute noch viele Werkzeuge und der alte Amboss in der Schmiede. Letzterer ist mit Tausenden von alten Hufnägeln gespickt. Die ältesten Nägel dürften 170 Jahre oder älter sein. Damit die glühenden Eisenspäne, die beim Schmieden oft abspringen, nicht den Ambossstock aus Eichenholz in Brand setzten, hatten die Vorfahren die alten Nägel, die sie den Pferden mit den Eisen abrissen, als Brandschutz ins Holz versenkt. Die Schmiede führt heute Franz Schmid vom Nachbarhof Schmadler.
(L. Ott)

Der Schmied rechnet ab

Der „Samerbauer“ von Pöcking bezahlte gemäß einer Jahresabrechnung von 1869 – was er mit dem Guthaben von 34 Kreuzern gemacht hat, ist nicht überliefert.
Textquelle (so nicht anders vermerkt):
Ott, Ludwig (Hrsg.): Milli und Sterz. Kunstverlag Josef Fink. Lindenberg im Allgäu, 2005.